sound   general   philosophy   german   sunnO)))

Metal Hoes

Ausser todbringendem, extraterrestrischem Himmelseisen ist originäres Schwermetall in größeren Mengen nur im Underground zu finden, von wo es ans Tageslicht gefördert wird. Eine Erhitzung im Hochofen ermöglicht dann die Trennung von taubem Gestein. Die Urväter des Doom Metals, Black Sabbath, nahmen bereits mit Iron Man auf dem 1970 erschienenen Album Paranoid zu diesem Prozedere Stellung. Beim Auftakt war Heavy Metal hauptsächlich von Blues und dem psychedelischen Sound der 60er Jahre geprägt, worin sich das Verlangen nach sozialer Gerechtigkeit und Wandel in schwerer Langsamkeit und der Experimentation mit verschiedensten Einflüssen wiederspiegelte.

Der Durchbruch kam aber erst mit der New Wave of British Heavy Metal (NWOBHM), die ebenso wie Punk nach dem Scheitern der Hippie Bewegung, Wut und Frustration über die nun aussichtslose Lage britischer Jugendlicher , mit schnellerem und aggressiverem Sound zum Ausdruck brachte. Statt Anarchie und No Future, wurde hingegen das Verlangen nach einem starkem Führer und Rückbesinnung zu traditionellen Werten laut. Wie im Punk war aber die Befreiung von bestehenden und unterdrückenden Normen von zentraler Bedeutung und diese Botschaft wurde oft mit Elementen aus Mythologie, Horror, Fantasy, etc. codiert. Generell werden Eisen magnetische Eigenschaften zugewiesen, was sich durch die treue Körperschaft erklärt. Eine große Anzahl von stolzen Anhängern der NWOBHM setzte sich aber nur oberflächlich mit diesem wertvollem Material auseinander, und so schlug die anfangs positive Energie, die völlig unabhängig von Geschlecht, Rasse oder sexuellem Interesse der herrschenden Klasse den Kampf ansagt, in Xenophobie um.

Oft wird sprödes Raueisen und biegsames Stahl in einen Topf geworfen, wobei Ersteres durch natürliche Verbindungen mit verschiedensten Stoffen eine Stärke mit sich bringt, die es eher unempfindlich gegen Polarisierung und feuchte Witterung macht.
Stahl hingegen entsteht erst nach unnachgiebiger Bearbeitung und wird mittels Reduzierung von Kohlenstoff formbar. Der folgliche Mangel an Widerstandsfähigkeit wird durch äusserliche Härte ersetzt, die unter anderem durch abruptes Abkühlen nach Erhitzen zur Weissglut und weiteren chemischen Reaktionen, die vor allem bei der industriellen Massenproduktion ausgelöst werden, erreicht wird.

Eisen wurde in der abendländischen Alchemie dem Planeten Mars, Kupfer wiederum Venus zugeordnet. Die kreative Verbindung der beiden Metalle und deren jeweilige wesentliche Eigenschaften, nämlich Anziehungskraft und Leitfähigkeit, erzeugen unter Strom eine dynamische Wechselwirkung. Die world-for-us ermöglicht Zugang zu einer an sich unzugänglichen Welt. Sound kann z.B. als aggressiv, melodisch, etc. beschrieben werden, einseitig bestimmte Qualitäten, die dieser ohne menschliches Urteil gar nicht besitzt. So wurde Metal eine Domäne des weißen hetero Mannes, in der alle Anderen entweder ausgeschlossen oder in die Position des Unterlegenen gedrängt werden, wobei der Frau die Rolle des Sexualobjekts oder Groupies zugedacht ist. Sunn O))), die sich früher Mars nannten, gehören unter anderem mit Earth, den Pionieren des Drone, zu der Sorte von Bands, die an sich selbst einen Anspruch auf musikalische Progression stellen und deshalb auch in verschiedensten Konstellationen mit diversen Künstlern zusammenarbeiten.

Das zentrale Instrument des Metals ist die E-Gitarre und Weinstein schlägt vor, das sich Maskulinität in der Kontrollfähigkeit über die Maschine ausdrückt, während sich animalische Kraft an den Drums, ähnlich wie in der Kunst des manuellen Freiformschmiedens beweisen lässt. Bei Sunn O))) kommen Schlaginstrumente weniger zum Einsatz, umso mehr Effekte wie Feedback und Verzerrung, die für jenen diffusen Sound sorgen, den man hauptsächlich der lebensbejahenden und kreativen Energie der Subkultur und deren zur Verfügung stehendes Equipment zu verdanken hat. Diese ist auch verwegen genug um sich an vorhandenem Material zu bedienen, es neu zu interpretieren, und der Öffentlichkeit, oft frei, zugänglich zu machen. Die Musikindustrie hingegen bemächtigt sich heißer Ware aus reiner Profitgier und auch sonst nimmt man es mit Aufrichtigkeit
nicht so genau. Um den Verkauf von Metal anzukurbeln wurden vermarktungsfähige weiße Männer aus der Mittelklasse rekrutiert, die dann als Helden der Arbeiterklasse verkauft wurden.

Das Image des vom Weibe unabhängigen, starken Mannes wurde gepflegt. Ein echter Kerl, der scheinbar ungezähmt und trotzdem spiessig, nichts Neues wagt, hingegen Mitbewerber mit der Parole Schneller, Lauter, Härter! auszuschalten versucht. Natürliche Selektion funktioniert genau umgekehrt, deshalb stellt auch eine sich als abgehängte Opfer fühlende Masse, die trotz relativem Wohlstands unter Bildungsarmut leidet, gerne ihre eigene Rangordnung auf um unberechtigte Machtansprüche geltend zu machen. In dieser stellt alles Andere eine Bedrohung für das Ego dar, obwohl Gemeinschaft, Abgrenzung von Altem
und fairer Wettkampf aus dem man Erfahrungen zieht, unerlässlich für eine gut funktionierende Gesellschaft sind.

J.G. Ballard lokalisiert in Kingdom Come den Ursprung von pervertiertem Nationalstolz in einem provinziellen Ort, der als Besonderheiten einen Autobahnanschluss und eine Mall als Zentrum des kulturen Lebens aufweist. Eine Kleinstadt, die Urbanität mit Dekadenz und Unrat bewertet und diese doch skurril imitiert, weil typische und notwendige Charakteristiken, die eine Stadt erst lebendig machen, unterdrückt werden. Freizeit besteht größtenteils aus sinnlosem Konsumerismus und körperbetontem Sport, der im Verein, Ort des politischen Austauschs, ausgeübt wird. Eine explosive Mischung, die bei Ballard in Wahnsinn und Vernichtung endet.

View this post on Instagram

Another experiment from the sound kitchen, drums forever :))) #drummersofinstagram #piezoelectriceffect #rhythmandflow

A post shared by Carin Jaeger (@desire_direct) on

Referenzen:
Ballard J.G. (2006). Kingdom Come. London: Fourth Estate.
Debord G. (1967). Society of the Spectacle.
Hill R.L. (2016). Gender, Metal and the Media – Women Fans and the Gendered Experience of Music. London: Palgrave Macmillan.
Priesner C., Figala K. (1998). Alchemie: Lexikon einer hermetischen Wissenschaft. München: Verlag C. H. Beck.
Weinstein D. (2013). The Empowering Masculinity of British Heavy Metal In Dr. Gerd Bayer, Heavy Metal Music in Britain. Ashgate e-Book.

Written on June 2, 2020